
Ich hatte heute um elf Uhr mein offizielles Kennenlerngespräch mit meinem Chef, Herr Gerhard Obermann. Der Chef der Fiktiven Maschinenbau GmbH wirkt im ersten Moment etwas grimmig, aber ich denke, ich werde gut mit ihm zusammen arbeiten können.
Er pflegt eine sehr direkte Sprache, wenn auch etwas einsilbig. "Umsatz, Rendite, Umsatz", abwechselnd mit "Rendite, Umsatz, Rendite", waren seine Worte.
"Die Koreaner sitzen uns im Nacken, die Chinesen kopieren unsere Produkte und produzieren zwanzig mal billiger als wir", meinte er.
"Wir haben Sie eingestellt, damit wir in Kürze unsere Produkte auf dem Weltmarkt einzigartig positionieren können", formulierte er kurz und knapp meine Aufgabe für die nächsten Monate.
Shanghai, ist nicht weit von hier
Dann kam auch ich mal zu Wort und ich erzählte ihm ein bisschen von meinen ersten Tagen hier in der Firma (Natürlich politisch korrekt, ohne den schleppenden Service der IT-Mannschaft zu erwähnen). Außerdem habe ich ihm aus der Zeit bei der Engine GmbH berichtet, bei der ich mich die letzten acht Jahre um das Marketing gekümmert habe und wir haben über meine Beweggründe hier anzufangen gesprochen.
Das Gespräch war allerdings schneller beendet als ich erwartet habe, Herr Obermann wirkte die ganze Zeit über schon sehr hektisch. Mit einem "Ich muss den arabischen Händler beruhigen", sprang er auf und schüttelte mir die Hand (wieder mit sehr festem Händedruck).
Etwas verblüfft über den hastigen Abgang stand ich in seinem Büro und entdeckte die Weltkarte an der Wand, auf der alle unsere Niederlassungen eingezeichnet waren. Die neuste Niederlassung in Shanghai war wohl erst vor wenigen Tagen von Hr. Obermann persönlich eröffnet worden.
Den türkisfarbenen Knopf rechts unten an meinem Rechnergehäuse habe ich übrigens immer noch nicht betätigt. Aber das kommt nach Ostern…



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