Ich arbeite jetzt schon ein dreiviertel Jahr an meinen Produkt Pneumatikschieber bei der Fiktiven Maschinenbau GmbH. Die Erfahrungen in dieser und meiner vorherigen Firma zeigen mir, dass das Managen von Produkten doch deutlich von dem Vermarkten getrennt werden sollte. Selbst ich als Superwoman fühle mich (trotz Doktortitel) leicht überfordert, wenn ich beide Disziplinen perfekt beherrschen soll.
Immerhin achtet Hendrik Claas -der Marketingchef der Firma- darauf, dass das Marketing strategisch ausgelegt ist. Unsere Spezialistin für schwierige Kunden ist unsere schnellschwätzende Vertriebsleiterin Sonja Kaiser. Ich hingegen bin als Produktmanagerin eigentlich zuständig für neue Ideen, Produktinnovationen, Markenpolitik oder Prozessorganisation.
Gehört Vermarktung zum Produktmanagement?
Dagegen liegen die Aufgaben bei der Produktvermarktung (oder auch Promotion) eher in speziellen Bemühungen den Kunden zu begeistern. Es geht darum, den potentiellen Kunden am Besten direkt am Verkaufsort für seine Produkte zu begeistern. Also nichts, was ich zum Produktmanagement hinzuzählen würde.
Zwar habe ich während meines etwas länger zurückliegenden Studiums etwas über Farbenlehre und Point of Sale Maßnahmen gelernt, aber über Fragen wie “Das Schild rot gestalten?”, “Das Produkt im Regal oben, unten oder in der Mitte positionieren?”, “Oder machen wir einen Probierstand oder lieber doch nur Displays aufstellen?” kamen wir nie hinaus.
Also, ein Fachmann muss her
Ich als Produktmanagerin muss mich mit vielen anderen wichtigen Dingen beschäftigen, deshalb denk ich, dass ich mit unserem Häuptling Obermann dringend besprechen muss, ob wir nicht jemanden einstellen wollen, der genau die Fragen des Promotions und Vermarktung beantworten kann. Ich habe ja schon einmal die Bekanntschaft des Amerikaners mit Tom Double gemacht. Soweit ich weiß hat er darin auch viel Erfahrung!
Dennoch beschäftige ich abermals mit der Frage: Was ist eigentlich Produktmanagement?



12.12.2007 um 15:09
Ich stimme zu, man Muss die Produkte Managen und nicht vermarkten, aber die Produkte müssen vermarktbar gestaltet werden. Also auf die Anforderungen, den Geschmack und das Budget der Zielgruppe hin orientiert sein.
Dazu muss man sich mit der Technik und Materie gut auskennen, und auch Kontakt zu den Kunden halten. Letzteres geht begrenzt bei Promotionen (Messe Stand besetzen) oder bei Key Account Presales Terminen. Dort bekommt man am schnellsten die Wünsche und Ärgernisse mit (da kann man sich nicht auf seinen Vertrieb verlassen).
Allerdings: Ausschreibungsrelevante Features helfen beim Verkaufen nicht immer. Es hilft auch wenn man den Betrieb kennt (also z.B. sich regelmässig die Service Calls ansieht und diese analysiert).
Gruss
Bernd
07.01.2008 um 15:11
Ich finde die Diskussion (theoretisch) wahnsinnig spannend. In der Praxis wird aus meiner Sicht leider allzu häufig Marketing und Werbung vermischt. Seht euch doch mal aktuelle Stellenangebote an: Suche Marketing-Fachmann/frau; Anforderungen: Gestalterisches Geschick mit Sinn für Kreativität. Wie du geschrieben hasst wird eine Unterscheidung erst unter dem Stichwort “strategisches Marketing” getroffen.
08.01.2008 um 22:59
Hallo Hr. Fritz,
genau aus diesem Grunde möchte ich mich eher auf das Produktmanagement konzentrieren, welches sehr stark in die Firma hinein “wirkt”. Also Innovationen, Produktentwicklung, Technische Dokumentationen, Freigaben etc.
Für die nach außen gerichtete Sicht muss eine Art Produktmanager mit Außenspiegel her. Einer, der sich um Kunden, Kontakte, Kampagnen, Verbesserungen von Kunden etc. kümmert.
Bei vielen Kollegen stelle ich allerdings fest, dass Produktmanager mit der eierlegenden… gleichzusetzen ist. Drum meistens auch bestens bezahlt, aber eben überaus Stressig und deshalb nur auf Zeit zu bewältigen.
Insofern versuche ich aus der -wie Sie sagen- Theorie auch Praxis werden zu lassen.
Herzlichste PM-Grüsse
Deine Laura Slash
09.09.2009 um 19:23
Hi Laura
“Trennen von Produktmanagement und Vermarkten” kann man meiner Meinung nach nicht ganz so schwarz/ weiss beantworten. In kleinen Unternehmen ist es sehr oft so, dass z.B. der Gründer sehr nah am Kunden ist, das Feedback nutzt, um die Killerapplikation zu bauen, und zudem aktiv verkauft. Das ist die Phase, in der der Produktmanager sinnvollerweise Verkäufer ist.
Ab irgendeinem Zeitpunkt verliert man diesen unmittelbaren Kundenkontakt aber. Dann wird es sinnvoll über eine PM Organisation nachzudenken. Der Nutzen des PM entsteht für die Firma in der Phase daraus, dass jemand systematisch an den Produkten arbeitet (nach der ersten Killerapp ist es schwierig, die Folgeinnovationen zur Verfügung zu stellen).
In diesem Zusammenhang ist es als immer kritischer zu sehen, wenn das Produktmanagement zu viele Feuerwehrfunktionen im Vertrieb übernimmt.
Irgendwann mit wachsender Unternehmensgröße wird das PM strategisch, und teilt sich oft auf in Marktentwicklung, Produktentwicklung, und Vertriebsunterstützung, d.h. die großen Wissensblöcke. Die Vertriebsunterstützung widmet sich in dieser Phase dann eher den übergreifenden Themen, und setzt auf den Multiplikatoreffekt, d.h. rückt weiter vom unmittelbaren Deal ab in Richtung einer Mittlerrolle zwischen Vertrieb und Entwicklung
Siehe auch: http://www.produkt-manager.net/2009/warum-ist-produktmanagement-notwendig/.
Kommentare (möglichst im blogpost) willkommen
Grüße Andreas
11.09.2009 um 16:25
Hallo Andreas,
sehr richtiger Kommentar, für den ich sehr danke.
Speziell die Tätigkeit von Tom und mir bekommt immer mehr die Ausrichtung ‘Marketing mit PM-Anteil”. Strategisches PM mit Aufteilung Marktentwicklung, Produktentwicklung, Vertriebsunterstützung etablierte sich bei uns nicht.
Das liegt zum einen daran, dass wir uns der Frequenz an Produktneuentwicklungen anpassen müssen und zum Anderen an einer wesentlich intensiveren Kommunikation mit Interessenten, Kunden, Händler und Märkten. Angefeuert durch Krise und Investitionskürzungen muss Vorhandenes vermarktet werden.
Grüße Laura