In Vertrieb, Marketing, Produktmanagement und Kommunikation findet die Sicht von Interessenten und Kunden auf ein Unternehmen und dessen Produkte immer mehr Beachtung.
Die Customer Journey ist die “Reise” eines Kunden über alle Berührungspunkte hinweg, die er mit unserem Unternehmen hat. Diese Reise dauert lange. Nicht nur bis er etwas gekauft hat, sondern auch danach. Genau solange, wie er über uns denkt und spricht, wiederholt bei uns einkauft, reklamiert, uns empfiehlt oder auch von uns oder unseren Produkten abrät.
Die auf einer Customer Journey gemachten Erfahrungen heißen Customer Experience. Es ist die Perspektive und das Erlebnis der Kunden und somit die Sicht auf ein Unternehmen und seine Produkte, die wirklich zählt. Der Kunde ist sozusagen der sprichwörtliche Wirt, ohne den man die Rechnung nicht machen sollte.
Denkt man ein bisschen genauer darüber nach, erkennt man dass “der Kunde” ein wenig zu kurz greift: Zum einen unterscheiden sich die Kunden. Streng genommen müssten wir jeden Einzelnen betrachten. Im B2B Bereich, wo man vielleicht nur sehr wenige Kunden hat, mag das gehen, also wenn man beispielsweise Zeppeline verkauft. Im B2C Bereich ist das in der Regel zu aufwändig, daher gruppiert man die Kunden zu Zielgruppen und betrachtet diese, sozusagen stellvertretend. Doch auch diese Verfeinerung reicht nicht für ein sinnvolles Bild.
Neben Kunden muss man auch Interessenten (Prospects), potenzielle Interessenten (Suspects) und am Ende auch Journalisten, Mitarbeiter, Ex-Kunden und Andere betrachten, die die erstgenannten durch Ihre Meinung beeinflussen. Dies können z.B. Meinungsführer, A-Blogger, Autoritäten, Macher, Vordenker, Entscheider, Koryphäen oder Promis sein. Meinungsführer oder Influencer kann jede Gruppe sein, welche kommunikativ viele Menschen erreicht und somit beeinflussen kann.
Die Begriffe “Kunde”, “Customer Journey” und “Customer Experience” sind daher etwas gefährlich, denn sie verleiten zur Vereinfachung. Vermutlich ist der richtige Begriff “Opinion Builder”, aber darunter kann man sich ohne Weiteres auch nichts vorstellen.
Marken erfahren
Die Kunst des Touchpoint Managements besteht darin, den Weg und die Berührungen welche ein Opinion Builder mit der Marke erfährt zu messen und positiv zu gestalten. Ideal ist, wenn er durchweg Erfahrungen macht, die die Markenwerte wiederspiegeln und verstärken. Egal ob der Eindruck über einen Verkäufer im Ladengeschäft, einen Werbespot, einen Online-Produktkonfigurator, einem kompetenten Callcenter Gespräch oder durch Empfehlungen der Social Community entsteht. Mit durchweg zu unserer Marke passenden Erfahrungen ist die Wahrscheinlichkeit einen Kunden zu gewinnen und zu binden am höchsten. Absolute Kundenloyalität ist das Ziel.
Wer ist für Touchpoint Management verantwortlich?
Doch Unternehmen sind in Abteilungen organisiert. Wer also nimmt das abteilungsübergreifende Management dieser Berührungspunkte wahr? Der Produktmanager? Der Key-Account Manager? Die Kommunikationsabteilung?
Weder noch. Touchpoint Management erfordert interdisziplinäre Fähigkeiten über vertikale Abteilungsgrenzen hinweg. Zwar ist der Produktmanager in vielen Unternehmen typischerweise eine vergleichbare Position, doch steht beim Management von Touchpoints nicht das Produkt, sondern das Kundenerlebnis im Mittelpunkt. In den Unternehmen managed im besten Fall jeder Unternehmensbereich die eigenen Touchpoints. Der Service monitored die Hotline, den Twitter Kanal und das Support-Forum, der Vertrieb kümmert sich um die Beratungssoftware und um das CRM, das Marketing um die Messen, Kampagnen und Social Media.
Eine Touchpoint Management Abteilung oder zumindest Mitarbeiter die sich dediziert um diese Querschnittsfunktion kümmern, gibt es noch nicht. Es gibt keine Touchpoint Manager. Noch nicht. Schauen wir in einem nächsten Post auf die Aufgaben, die eine Touchpoint Managerin wahrnehmen sollte.
Tochpoint Management ist Top-Thema auf dem Marketing Expertentalk im Mai.